23.11.16

Calichardication



In den letzten Wochen habe ich meine Zunge vermehrt über den großen Teich ausgesendet um ein paar kalifornische Chardonnay zu verkosten. Um genauer zu sein habe zwei jugendliche Einstiegsweine aus 2013 und zwei reifere Schlachtrösser aus 2007 verkostet. Geographisch ging es recht gemischt zu: Napa, Santa Cruz und Santa Barbara waren die Ziele. Ach ja! Eins noch vorab. Von Vergleichen mit Weinen aus dem Burgund halte ich herzlich wenig. Auch bei dieser Post würde ich Zuschreibungen wie Santa Barbara Meursault oder Ähnliches eher mit einem virtuellen Augenrollen quittieren. Ich bitte um Verständnis. Genug dem heute endlich mal kurzem Vorgeplänkel ...



Sandhi Vineyards Santa Barbara County Chardonnay 2013, Santa Barbara

Schon seine Farbe erscheinte mir sehr strohig hell, wunderschön glänzend und von der Viskosität spielerisch tänzelnd. In der Nase zeigte er unheimlich klare und präzise Aromen von Zitronen, Zitronenzesten, eine Spur der nasse Anna, feinste Butter, vielleicht auch etwas feines Gebäck, viel von der oft beschworenen Salzigkeit und ein klein wenig von Geißblatt. Am Gaumen wirkte er auf mich schlank – nicht ausgezehrt, relativ präzise – schon ein klein wenig zum Schwammilieren neigend, und etwas exotischer als es die Nase vorherzusagen vermochte. Im fuchtigen Mittelpunkt standen Ananas, Zitronen und ein mikroskopischer Hauch an Passionsfrucht. Über ein wunderbar sich ins Gesamtbild einfügendes neutral wirkendes Holzgeschmäckchen verfügte er ebenfalls. Tolle Säure, erstaunlich passable Länge und enorm stark mit seriös wirkendem Spass aufgeladen war er ganz sicher. Wie die meisten Weine von Sandhi Wines die mir bis jetzt untergekommen sind. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass der Santa Barbara County Chardonnay 2013 der Einstiegswein von Rajat Parr und Sashi Moorman ist, ziehe ich sehr gerne meinen Hut! Jugendlich knackig und reichlich Vorrat an äußerst anständigen**** Qualitäten. Da dürfte in den nächsten Jahren noch mehr kommen ...

Ramey Vineyards Hyde Vineyard Chardonnay 2007, Carneros

Farblich erinnerte mich der Wein an Grüngold mit einem eher niedrigen Legierungsanteil an Cadmium. Insgesamt wirkte er sehr jugendlich hell. Jede Menge an Schwebeteilchen möchte ich nicht unerwähnt lassen. In der Nase zeigte er sich durchaus barock. Eher an disziplinierten und reduzierten nordeuropäischen Barock erinnernd. Reife Zitronen und tropische Früchte wie Ananas und unreife Mango standen im fruchtvollen Zentrum der nasalen Aufmerksamkeit. Sonst zeigte die Nase viel von Heuwiese, Strohblumen, Butterscotch, Salzkruste und süßen Vanilleteilchen. Am Gaumen zeigte er sich beeindruckend buttrig, vanillig und wunderbar kauwillig. Sehr ausdrucksstark, aber wiederum diszipliniert und keinesfalls überzüchtet. Die Fruchtaromen waren geprägt von süßen und super reifen Zitronen, Mandarinen, Ananas und Orangenschalen. Dazu etwas grünem Pfeffer, Salbei, Geißblatt, etwas Steinsalz und weitere herb-würzige Anmutungen. Darüber hinaus Aromen die mich an wohl karamellisierte Florentiener und Schlagsahne erinnerten. In der Tat! Vom Alkohol kamen nur sehr schwache ätherische Anklänge, die aber ins Gesamtbild bestens integriert waren. Was Abgang und Mundgefühl betraf konnte er voll punkten. Enorm, lang, dicht und sogar durchaus sehr raffiniert. Für mich ein sehr gelungener Chardonnay gewichtiger Größe wie man ihn aus Carneros erwarten darf. Sehr sehr anständig***** mit Ambitionen an fantastische****** Qualitäten in wenigen Jahren. Da ist noch etwas Potential nach oben ...

Mount Eden Vineyards Estate Chardonnay 2007, Santa Cruz Mountains

Farblich kam dieser enorm golden, satt, gehaltvoll und reif daher. In der Nase bestach er durch vielerlei exotische Düfte, reife aber sehr klare und präzise Düfte welchen es an Körper sicherlich nicht fehlte, dänisches Buttergebäck, Spuren von Zitronenabrieb, vielleicht auch bayrische Creme und ein wohlmöglich äußerst eingebildetes Momentum an Feuerstein. Im Mund enorm stimmig und balanciert bei erwartbarer Festigkeit und Fülle. Aber null komma null fette Schnecke! Viel von wunderbar abgestimmter Exotik, Züge von pflanzlicher Würze – im positivst möglichen Sinne, verwunderlich präsente Säure und sehr überzeugender Länge. Er mag vielleicht nicht die komplexesten Aromenausuferungen gehabt haben und auch nicht die enormste Verdichtung. Doch was er lieferte, lieferte er in kaum noch verbesserungswürdiger Manier. Wie beim Hyde Vineyard von Ramey taumele ich gen fantastischen****** Frolockungen. Doch was seine Entwicklungsfähigkeiten betrifft, bin ich mir sicher, dass er momentan auf seinem beginnenden Höhepunkt ist!

Heitz Cellars Chardonnay 2013, Napa Valley

Dieser Klassiker zeigte ein sehr hellen und fast schon leicht ins grünliche, ich übertreibe ein wenig, abgleitendes Äußeres. In der Nase war er die erste halbe Stunde sehr dem neutralen Wesen zugeneigt. Später entwickelten sich Düfte die mich an delikate weiße Blüten, grüne Grapefruit, etwas Holunder, Sesammousse und sehr zurückhaltende Aromen die von seinem Fassausbau zeugten. Am Gaumen wirkte er für ein Napa Chardonnay richtiggehend schlank-sehnig, ziemlich kühl, phenolisch, nur ganz leicht cremig und hinten raus fast schon ein wenig stahlig hart. Von Seiten der Aromen zeigte er wesentlich mehr Präsenz als in der Nase. Guave, Geisblatt, unreife Honigmelone, etwas Zitronenschale und verschwindend schwache irische Butter. Insgesamt ein noch sehr jugendliches und verschüchtertes Leichtgewicht aus Napa. Da ist bestimmt noch jede Menge Luft nach oben in der Entwicklung. Ich hoffe nur, dass ich nicht die Luft während der Entwicklungsphase ausgehen wird … änständig**** war er allemal. 

So, jetzt denkt jeder Leser wohl, dass ich auf Chardonnays im Rambo-Style stehe. Soll mir sehr recht sein ... auch wenn es in keinster Weise zutrifft ;-)

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